Fachartikel

Umwelttools und ihr Einsatz in der Praxis -
EnviroCheck

Dr. Helene Prigge
Versicherungswirtschaft Heft 21/2000

Warum Risk Management-Tools?

Kürzere Produktzyklen und Entwicklungszeiten, die zunehmende Globalisierung sowie gesellschaftliche Veränderungen oder neue Gesetze kennzeichnen unsere Zeit und schaffen immer komplexere Risiken. Eine Entwicklung, die sich auch auf das Underwriting auswirkt. Um Risiken richtig einschätzen und bewerten zu können, muss der Underwriter immer mehr Parameter berücksichtigen. Eine Unterstützung durch Risk Management wird deshalb in zunehmendem Maße erforderlich.

Doch nicht immer steht ein Risk Manager zur Verfügung, oder es ist wirtschaftlich nicht vertretbar, ihn einzuschalten. Es gilt daher, alternative Wege der Risikobeurteilung zu suchen. Hier bietet der Einsatz von Risk Management Tools dem Underwriter eine effiziente Unterstützung.

Vor diesem Hintergrund hat die AssTech Risk Management Service GmbH, ein Unternehmen der Bayerischen Rück Gruppe, München, vor mehr als acht Jahren damit begonnen, Risk Management Tools (RM-Tools) zu entwickeln.

Bei welcher Art von Risiken ist es nun sinnvoll, RM-Tools einzusetzen?

Allen diesen Risiken gemeinsam ist ein hohes Maß an Komplexität, das zurückzuführen ist auf

RM-Tools können sehr erfolgreich bei der Realisierung folgender Ziele eingesetzt werden:

Ein Beispiel für solche RM-Tools sind die Umwelttools.

Das erste Produkt der Tool-Serie der AssTech GmbH war das UIS, Umwelt-Informations-System, ein System zur Erfassung, Analyse und Tarifierung von Umweltrisiken, maßgeschneidert für den Einsatz in Deutschland.

Einige Jahre später wurde ein System entwickelt, das für den internationalen Einsatz zugeschnitten war:

ELIAS - Environmental Liability Information and Assessment System

ELIAS - wie auch UIS - ist so konzipiert, dass es flexibel eingesetzt werden kann: vom Underwriter und Techniker wie auch vom Risk Manager, vor Ort im Außendienst, aber auch im Innendienst. Es berücksichtigt umweltrelevante Branchen und ist in erster Linie für den Einsatz bei mittleren Industriebetrieben gedacht. Aber auch bei Großrisiken bietet ELIAS eine sinnvolle zusätzliche Hilfestellung. Auf die Besichtigung des Risikos durch einen Risk Manager oder Techniker kann aber in diesem Fall nicht verzichtet werden.

ELIAS frägt bei jeder Betriebsart nur die relevanten Informationen ab. Abhängig von der jeweiligen Anwort stellt ELIAS die nächste Frage. So entsteht für jedes Risiko ein individueller Fragenkatalog. Der Bearbeiter erhält schnell und effizient alle für das Risiko relevanten Informationen und damit einen umfassenden Überblick.

In der Bibliothek von ELIAS und den integrierten Hilfesystemen erhält der Anwender umfangreiche Informationen wie z. B. Stoffinformationen, technische Hinweise, Gesetzestexte, Vorschläge für das Wording etc. Dies erweist sich sehr hilfreich bei der Vorbereitung von Kundengesprächen oder während der Risikobewertung.

Nach der Bearbeitung des Fragenkataloges werden die ermittelten Informationen an das Tarifierungsmodul übergeben, das umgehend die verschiedenen Deckungsvarianten berechnet.

ELIAS weist auf Grund seiner Plattform eine hohe Flexibilität auf. Daher können Kundenwünsche ohne Probleme berücksichtigt werden. So sind individuelle Lösungen möglich für

EnviroCheck

Das jüngste Produkt aus dem Bereich der Umwelttools ist EnviroCheck. Inhalte aus ELIAS wurden zum Teil extrahiert und in Form betriebsartspezifischer Fragebögen zur Erfassung von Umweltrisiken zusammengefasst. Zu jeder der derzeit etwa 40 Betriebsarten gibt es eine Informationsseite, auf der die Charakteristika und insbesondere die Umweltrelevanz dieser Betriebsart beschrieben sind.

EnviroCheck wird den Kunden der Bayerischen Rück und der AssTech über das Internet zur Verfügung gestellt. Die Fragebögen sind in englischer Sprache verfasst.

Auf der Homepage der Bayerischen Rück (www.bayerischerueck.com) findet man EnviroCheck unter der Rubrik "Aktuelles" oder direkt unter www.bayerischerueck.com/envirocheck. Nach Auswahl der Branchen (z. B. Holz-, Papier-, Metallindustrie) können die verfügbaren Betriebsarten aufgerufen werden.

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Abbildung 1: Auswahl der Betriebsart

Der Nutzer identifziert sich mit Name, Firma und E-Mail-Adresse. Ein Download des ausgewählten Fragenbogens in Form einer pdf-Datei ist nun möglich.

Der Fragebogen selbst ist wie folgt aufgebaut:

Nach einer Seite mit Unternehmensdaten und allgemeinen Hinweisen wird auf der folgenden Seite erklärt, wie der Fragebogen bearbeitet werden soll.

Abbildung 2: Hinweise zum Ausfüllen

Es folgt eine Informationsseite zur abgefragten Betriebsart. Danach beginnt der Fragebogen.

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Abbildung 3: Informationen zur Betriebsart

Der Fragebogen ist so aufgebaut, dass auf konkrete Fragen zur jeweiligen Betriebsart eine Auswahl an Antwortmöglichkeiten gegeben ist.

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Abbildung 4: Frage- und Antwortblöcke

Bei jeder dieser Antwortmöglichkeiten kann "ja", "nein" oder "keine Information vorhanden" eingegeben werden. Der Fragebogen ist sehr übersichtlich gestaltet. Frageblöcke wurden mit optischen Mitteln kenntlich gemacht.
Wird eine übergeordnete Frage mit "nein" beantwortet, können die nachfolgenden untergeordneten Fragen übersprungen werden. Dies gewährleistet eine zügige Bearbeitung.
In der ersten Ausbaustufe werden Fragebögen für etwa 40 verschiedene Betriebsarten angeboten.

In den nächsten Projektstufen sollen die verfügbaren Betriebsarten weiter ausgebaut und die Interaktivität erhöht werden.

Dr. Helene Prigge ist Senior-Consultant und leitet den Fachbereich RM-Toolentwicklung der AssTech GmbH, Unterföhring, einer Servicegesellschaft, die maßgeschneiderte Beratung im Bereich Risk Management bietet.